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Ich möchte eigentlich Lehrer/in werden, aber ich bin mir unsicher, ob ich Religion als Fach studieren soll.

Ihnen geht es wahrscheinlich so wie vielen Ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Die Wahl eines Berufs gehört mit zu den schwierigsten und folgenreichsten Entscheidungen, die jeder zu treffen hat. Und beim Lehrerberuf kommt das Problem hinzu: Lehrer/in für die Grundschule, für die Haupt- oder Realschule, für das Gymnasium, das berufsbildende Schulwesen oder die Förderschule?

Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich fragen: Möchte ich gern mit Kindern umgehen, macht es mir Freude, ihnen zu helfen, ihre eigene Welt zu entdecken und in Besitz zu nehmen, möchte ich ihnen Wissen und Können vermitteln, damit sie ihr Leben später einmal selbst in die Hand nehmen können? Oder liegen mir mehr die widerspenstigen 14-jährigen, die mich zur Auseinandersetzung herausfordern, die sich an mir reiben, ihre eigene Identität erkämpfen wollen, auch gegen Widerstände und in Konflikten?

Oder möchte ich eher mit älteren Schülerinnen und Schülern arbeiten, die hohe Ansprüche an meine Fachkompetenz stellen und mit denen ich wissenschaftspropädeutisch arbeiten kann? Mit diesen Fragen an Sie selbst hängt dann auch die Entscheidung für das Fach Evangelische Religionslehre zusammen. Denn die Aufgaben der Religionslehrer/innen sind jeweils verschieden - je nach Schulform und Schulstufe.

Einige Beispiele: Eine Grundschullehrerin wird sich darum bemühen, ihre Schüler/innen religiös zu "alphabetisieren", sie in elementare Lebens- und Sprachformen des Glaubens einzuführen, sie mit biblischen Geschichten und christlichen Symbolen, Ritualen und Festen bekannt zu machen. Sie wird versuchen, bei den Schülerinnen und Schülern Verständnis dafür zu wecken, dass und wie andere Menschen anders glauben und leben.

In der Hauptschule werden vielfach Fragen erörtert, wie Menschen ihr eigenes Leben und ihr Leben miteinander gestalten können. Was ist für Jugendliche lebenswichtig? Woran hängen sie? Was hat für sie "religiöse" Bedeutung? Wie gehen sie - etwa als Junge und Mädchen - miteinander um? Wie können sie Konflikte gewaltfrei lösen?

Und der Religionsunterricht der berufsbildenden Schulen stellt sich den Fragen, die Gesellschaft, Wirtschaft und Technik aufwerfen, und versucht Antworten zu finden entlang der Leitidee von der gottgegebenen Würde des Menschen und seiner Freiheit. Im Religionsunterricht wird an die Botschaft Jesu erinnert: dass der Mensch nicht Vollstrecker blinder technologischer Optimierungsansprüche sein darf, dass der Mensch nicht vom Machen allein lebt.

Also: Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie sich darüber informieren, welche Aufgaben auf Sie als Lehrer/in in einer bestimmten Schulform oder Schulstufe zukommen. Aber abgesehen von dieser unterschiedlichen Aufgabenstellung: Eine solide theologische Ausbildung brauchen alle Religionslehrer/innen, auch wenn sich diese in Umfang, Schwerpunkten und Anforderungen unterscheidet.


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 15. August 2017 08:52