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Was sagen eigentlich Religionslehrer/innen über ihren Beruf?

Am besten ist es, wenn Sie sich über diese Frage einmal mit einer Lehrerin oder einem Lehrer unterhalten, die/der gern Religionsunterricht erteilt.

Sie werden sehen: Reli kann ungemein spannend sein, für Lehrer/innen wie für Schüler/innen.

Dann nämlich, wenn es gelingt, Lebensfragen der Schülerinnen und Schüler auf die Tagesordnung zu setzen und mit ihnen in ein Gespräch über Glauben und Leben einzutreten.

Dann merkt man: Hier kommt etwas auf den Tisch, was sonst in der Schule eher nachrangig ist oder gar ausgeblendet wird.

Wenn Schülerinnen und Schüler merken: Die Sache mit Gott hat etwas mit meinem Alltag zu tun, mit meinem Verhalten zu mir selbst und zu anderen, mit der Gesellschaft, in der ich lebe, und mit der Welt überhaupt - dann sind die 45 Minuten einer Stunde oft zu kurz, dann redet man sich die Köpfe heiß und dann geht es auch mal in die Pause hinein.

Zugegeben, das sind die Highlights des Religionsunterrichts. Natürlich gibt es Phasen, in denen es "normal" zugeht, so wie in den anderen Fächern auch.

Aber auch in der Normalität des Schulalltags gelingen überraschende Entdeckungen: wenn etwa einem Schüler oder einer Schülerin der Sinn einer schwierigen Textstelle aufgeht, wenn ein Videofilm über ein Hospiz die Problematik der Sterbehilfe hautnah vor Augen führt, wenn Schüler/innen bei einer Internetrecherche plötzlich auffällt, wie vielfältig das kirchliche Leben in Deutschland ist . Situationen, die ermutigen und die anstrengende Vorbereitung lohnen.

Ich entdecke bei den Schülern und Schülerinnen, bei den meisten, eine ganz große Fragebereitschaft. Und ich finde, das ist schon eine Menge.

Wenn sie bereit sind zu fragen, dann weiß ich, sie haben zumindest ein gewisses Interesse. Und ich denke, dadurch kann ich manches auffangen, aufarbeiten. Ich bin sehr gesprächsbereit, das wissen sie, und sie dürfen auch Dinge äußern, von denen sie vielleicht denken, dass sie sich mit mir anlegen, sonst geht sie in die Luft und so. "Ich glaube nicht an Gott" und "Wie kann man nur!" und so. Dann kann man da wieder anknüpfen . Thema Bibel. Ich habe jetzt gerade wieder in den neunten Klassen angefangen - Thema Schöpfung. Bibel lesen? - "Bah!" Es ist eine wahnsinnige Hemmschwelle, eine Abwehrhaltung. "Das ist nichts für mich." "Wie kann man nur!" . Ich versuche, diese Schwellen zu überwinden, um sie an einiges heranzuführen, um ihnen zu zeigen, wie aktuell diese alten Texte zum Teil sind. Also darin sehe ich zum Teil, wenn Sie so wollen, das Wichtigste.

Vielleicht ist das das Wichtigste:
gesprächsbereit sein, Fragen stellen, gemeinsam nach Antworten suchen, nicht schon alles vorweg wissen, die eigenen Zweifel und Fragen nicht beiseite schieben, in die Schuhe der Schüler/innen steigen ...
Lehrer/innen, die das können, sind offen für ihre Schülerinnen und Schüler. Sie können es sich leisten, Meinungen gelten zu lassen, die ihrer eigenen völlig widersprechen. Sie setzen nicht voraus, dass jeder Schüler/jede Schülerin vom christlichen Glauben überzeugt ist, sondern wollen ihre Schüler/innen mit auf einen Denkweg nehmen, der ihnen Orientierungen für ihr Leben aufzeigt. Manchmal reicht es, wenn die Lehrerkraft lediglich darauf besteht, dass man die Bibel und die Menschen, die in ihr zu Wort kommen, genau so ernst nimmt, wie man selbst ernst genommen werden möchte.

Manchmal ist es schon viel, wenn Schülerinnen und Schüler merken: In der Bibel stehen nicht antiquierte Gedanken und Geschichten, sondern da geht es um unsere Probleme, Hoffnungen, Klagen und Gefühle. Und die Menschen der Bibel haben immerhin bemerkenswerte Erfahrungen gemacht. Wenn Schülerinnen und Schüler das verstanden haben, dann ist eine Religionsstunde keine vergeudete Zeit.


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 15. August 2017 08:52