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Ist es nicht schwierig, Religion zu unterrichten, wenn viele Schülerinnen und Schüler nichts mehr mit der Kirche und dem Christentum zu tun haben wollen?

In der Tat: Das ist schwierig. Daran gibt es gar nichts zu bemänteln. Und manch eine Religionslehrerin wünscht sich - ganz im Geheimen - , dass da plötzlich eine Klasse von engagierten, aufmerksamen und interessierten Kinder- und Jugendmitarbeitern säße, mit denen es eine Lust ist, über Gott und die Welt zu diskutieren. Aber wie ist das mit Ihrer eigenen Schulerfahrung in den anderen Fächern? Haben Sie in Mathematik oder in Englisch vor Begeisterung auf den Tischen getanzt?

Keine Frage: Schule ist weder für Schüler noch für Lehrer jeden Tag ein Ort des Entzückens und der Arbeitslust. Aber gerade deshalb ist es umso wichtiger, gute Religionslehrer/innen zu haben, die mit ihrer eigenen Begeisterung und ihrem Engagement ansteckend wirken und sich nicht von dem unvermeidlichen Widerspruch oder dem augenscheinlichen Desinteresse ins Bockshorn jagen lassen.

Denn eins ist klar: Unter der Oberfläche der kritischen Distanz zur Kirche und zum Christentum lassen sich viele Jugendliche auf religiöse Symbole und Riten, auf Angebote und Lebensformen ein, weil sie sich davon Sinnorientierungen für ihr Leben erhoffen. Und deshalb müssen Religionslehrer/innen genau hinhören und hinsehen können, um zu entdecken, welche Fragen ihre Schülerinnen und Schüler bewegen, auch wenn sie diese in einer gänzlich unchristlichen und untheologischen Sprache ausdrücken. Lehrer/innen müssen eine schwierige "Entzifferungsarbeit" leisten, um zu verstehen, in welcher Weise Schülerinnen und Schüler auf der Suche nach einem tragfähigen Grund für ihr Leben sind. Und sie werden ihnen dabei helfen, ihren eigenen Weg zu finden, den sie selbst verantworten und zu dem sie selbst ja sagen können.

In den kirchenfernen Gebieten der östlichen Bundesländer müssen Sie sich auf besondere Situationen einstellen: dass Sie Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Klassen, Klassenstufen und Schulen in einer Lerngruppe unterrichten, dass Sie für Religion nur eine Wochenstunde zur Verfügung haben und daher in vielen verschiedenen Lerngruppen eingesetzt werden, dass sie eventuell sogar an mehreren Schulen unterrichten müssen. Das alles ist eine besondere Herausforderung, aber: guter Religionsunterricht kommt bei den Schülerinnen und Schülern an.


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 15. August 2017 08:52