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Was wollen Religionslehrer/innen eigentlich erreichen? Die Schüler missionieren?

Meine Vorstellung, die ich hatte, als ich an die Schule kam, war eigentlich nie - um es mal ganz platt zu sagen - Mission zu betreiben. Sondern was ich mir ziemlich klar vorgestellt habe, war, einmal den jungen Menschen Informationen zu vermitteln oder die Möglichkeit zu geben, sich damit auseinander zu setzen, Orientierungshilfen zu geben und auch Verständnishilfe zu geben für unseren christlichen abendländischen Hintergrund, sich einfach zurechtzufinden . Wenn ich erreiche, dass die jungen Menschen nicht nur sich selbst sehen, sondern auch andere sehen, dann denke ich, habe ich schon eine ganze Menge erreicht. Wenn ich mich so umgucke, wie Vieles auch in unserer Gesellschaft sehr stark auf Egoismus und Haben und Ich fixiert ist . Das ist ein bescheidenes Ziel sicherlich für manchen, aber Bescheidenheit lernt man mit der Zeit.

Information - Auseinandersetzung - Orientierungshilfen - Verständnishilfen: das sind die Stichworte, die für den Religionsunterricht kennzeichnend sind. Bescheidene Ziele, aber erreichbare. Religionsunterricht ist nicht die Fortsetzung der Kirche mit anderen Mitteln, ist auch keine Gelegenheit zur Missionierung Ungläubiger oder zur Verkündung letzter Glaubenswahrheiten.

Religionsunterricht ist ein Ort des Dialogs: sich gemeinsam verständigen über das, worauf man sein Leben setzen kann, sich austauschen über die vielen Erfahrungen und Wege, die Menschen dabei gehen, und auch: kritisch darüber streiten, was sich als tragfähig im Leben erweisen kann und was nicht. Deshalb geht es im Religionsunterricht auch um aktuelle Schlüsselprobleme, z. B. aus der Gen- und Bioethik, aus der Ökologie oder aus der Diskussion um die Globalisierung der Wirtschaft. Und dass darüber hinaus der Religionsunterricht auch schlicht einen Einblick in die kulturell-religiöse Tradition Europas ermöglichen will, ist angesichts des schroffen Traditionsabbruchs bei einer Vielzahl der Jugendlichen selbstverständlich.

Ein Fach also, das - wie alle anderen - auf Bildung zielt. Bildung nicht als Anhäufung von Wissensbeständen, sondern als Fähigkeit, sich selbst, die Geschichte und Gesellschaft, in der man lebt, angemessen zu verstehen und in ihr als verantwortungsbereiter Mensch zu handeln. Dass dies eine Lebensperspektive des christlichen Glaubens sein kann, dafür steht der Religionsunterricht.


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 15. August 2017 08:52