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(Was) muss ich selbst glauben, wenn ich Theologie studieren will?

Wenn Sie damit meinen, ob Sie vor Beginn Ihres Studiums ein klar formuliertes Glaubensbekenntnis ablegen müssen: Nein, das wird und kann niemand von Ihnen verlangen.

Aber auch das andere kann nicht gemeint sein: dass es lediglich darauf ankomme, irgendwie und an irgendwas zu glauben, ohne recht zu wissen, was man denn vom Christentum zu halten hat.

Vielleicht kann man sich dieser Frage einmal von einer anderen Seite nähern: In Ihrem Beruf als Religionslehrer/in werden Sie mit Sicherheit immer wieder in Situationen kommen, in denen die Schülerinnen und Schüler Sie fragen: "Und was glauben Sie denn eigentlich?" Schüler wollen dann keine vorgefertigten Antworten hören, die Sie herunterspulen können, aber sie wollen auch nicht, dass Lehrer/innen sich in Unverbindlichkeiten flüchten. Sie wollen authentische Auskunft, was denn Ihr Glauben mit Ihrem Leben zu tun hat. Und an dieser Stelle wird es für Sie auch schon vor dem Studium brisant: Sie sollten diese künftige Frage der Schülerinnen und Schüler nicht vor sich herschieben, sondern sich ihr schon jetzt stellen. Zweifel sind willkommen, abstrakte Formeln nicht. Sie müssen für sich selbst eine befriedigende Antwort geben können, dann werden Sie auch später ihren Schülerinnen und Schülern gegenüber auskunftsfähig über Ihren Glauben sein.

Religion hat immer eine persönliche Ausprägung, sie entwickelt sich aber im Dialog mit anderen Menschen. Dies kann in einer Gruppe von Studierenden, in der Studierendengemeinde oder in einer Kirchengemeinde sein. Oft finden Studierende bei der theologischen Auseinandersetzung erste Orientierungspunkte für sich selbst, Wegmarken für ihre weitere Suche. Bei andern zerbrechen unbefragte Selbstverständlichkeiten, die sich als nicht tragfähig erweisen.

Manchmal verschärfen sich auch Fragen gerade durch das Studium. Das Studium bietet jedenfalls keine Sicherheit, dass Sie hinterher Ihres eigenen Glaubens gewisser sind als vorher. Nur wenn Sie Ihr Studium so anlegen, dass Sie den theologisch-wissenschaftlichen Diskurs immer auch auf ihre eigene Glaubenspraxis beziehen und diese in Frage stellen lassen, werden Sie Ihren Glauben besser verstehen und klarer wissen, warum der christliche Glaube Ihrem eigenen Leben Sinn und Perspektive geben kann.


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 15. August 2017 08:52