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Es gibt doch so viele andere Religionen. Ist das Christentum die einzig wahre?

Eine brisante Frage! Eine Frage, die in der Kirchengeschichte oft so beantwortet worden ist, dass vielen Menschen ihr Leben genommen wurde. Und die auch in der Gegenwart immer noch Ursache von Feindschaft und Kriegen ist.

Wie kommt es, dass Menschen zu den schlimmsten Untaten fähig sind, nur um die vermeintliche Wahrheit ihrer Religion zu behaupten und gegen Andersgläubige zu verteidigen? Sollte man nicht lieber auf die Wahrheitsfrage verzichten und von einem gleichberechtigten Neben- und Miteinander der Religionen ausgehen? Oder gilt, was Lessing den Juden Nathan in der Ringparabel sagen lässt: Alle Gläubigen mögen durch das eigene Handeln, durch "Sanftmut, mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun" die Wahrheit ihrer Religion ans Licht bringen? Probleme, denen Sie im Theologiestudium nachgehen werden und die nicht auf zehn Zeilen zu lösen sind.

Sie haben bestimmt schon beobachtet, dass Menschen, die überzeugte Anhänger einer Religion sind, in der Regel die Gewissheit haben, dass ihre Religion wahr und verlässlich ist. Und sie stehen den Auffassungen anderer Religionen oft kritisch oder ablehnend gegenüber. Das muss kein Ausdruck von Intoleranz sein, sondern kann sogar die Basis für einen fruchtbaren Dialog sein. Problematisch wird diese Haltung aber dann, wenn man den Gesprächspartnern nicht zugesteht, dass auch sie der Wahrheit ihrer Religion gewiss und von ihr durchdrungen sind.

Religion kann als menschliches Tun immer nur soweit überzeugen, als sie sich in das Licht der Wahrheit Gottes über den Menschen begibt. In diesem Lichtkegel wird sie Menschen anderer Religion, anderer Herkunft oder Hautfarbe als das sehen lernen, was sie von Gott her sind: Gottes geliebte Geschöpfe.

Sie merken: die Frage verschiebt sich. Christen werden nicht eine Wahrheit für ihr Tun in Anspruch nehmen, die ihnen nicht zukommt. Aber sie werden mit Leidenschaft fragen: Wer ist denn Gott, der wahre Gott angesichts der vielen Götter rings um uns herum? Es ist ja keineswegs so, als lebten wir in einem atheistischen Zeitalter. Wir geben nur unseren Göttern nicht mehr den Titel "Götter", aber die Realitäten sind geblieben. Schon Luther nennt als Götter seiner Zeit Gelehrsamkeit, Klugheit, Macht, Freundschaft und Ehre, vor allem das Geld, "der allergemeinste Abgott auf Erden".

Was versprechen uns diese Götter?
Worauf sollen wir unser Leben gründen?
Was zeichnet den Gott Abrahams und Jesu vor allen Abgöttern unserer Zeit aus?
Nicht die abstrakte Frage, ob mein Christentum die wahre Religion sei, ist entscheidend.
Entscheidend ist: Woran hänge ich mein Herz und worauf verlasse ich mich letztlich? Wofür übernehme ich Verantwortung und wie gehe ich mit Menschen und mit der Welt um?


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 15. August 2017 08:52